Meinradus, S. (1)


Meinradus, S. (1)

1S. Meinradus, Erem. M. (21. al. 20., 23. Jan., 27. Febr., 6. et 17. Oct.). Der hl. Meinrad, der Stammvater der Mönche von Einsiedeln, welcher auch Meynradus, Meinardus, Meinhardus, Meinrardus, Meginradus, Meginadus und Maginhardus genannt wird, ist öfter mit Meginhardus oder Meginherus, auch Meginradus geheißen, Abt von Hersfeld (26. Sept.) verwechselt worden. (Siehe diesen.) Er war beiläufig um d.J. 805 geboren. Die älteste Biographie spricht sich darüber nicht bestimmt aus; sie sagt nur »zu den Zeiten Carls des Großen«, und zwar nach seiner feierlichen Kaiserkrönung (also nach dem J. 800). Sein Geburtsort war das alte Sullichgehosen, d.h. der Hof von Sulgen (Sulgovia), im heutigen Canton Thurgau, an der Straße von Romanshorn nach Frauenfeld (also nicht an der Donau, wie die ältern Boll. nach einer deutschen Vita angegeben hatten). Er stammte aus dem Geschlechte der Zollern oder Hohenzollern, welches damals mehr durch seinen innern Adel, als durch Reichthum und Macht glänzte. Der Name seiner Mutter ist unbekannt, der Vater heißt (bei Benno) Berthold, Graf von Sulgen oder (nach Andern) auch von Zollern. Es wird angenommen, Sulgen sei das Stammschloß der Mutter des Heiligen gewesen. Als der Knabe das Alter erreicht hatte, um ihn den Vorstudien der Wissen schaften übergeben zu können (aetatem, qua aptari posset litterarum studiis), übergab ihn sein Vater den Mönchen von Reichenau, das damals noch Sindlochesau (Sindlocheaugia) genannt wurde, nach dem Namen eines Priesters, der Sindloch hieß, und hier den Grund zu einer klösterlichen Niederlassung legte (a nomine cujusdam presbyteri, qui Sindloch appellatur). Nach der Ausdrucksweise der ältesten Quelle ist es ganz unbestimmt, ob der hl. Meinrad, als er nach Reichenau (Augia dives) kam, erst fünf Jahre zählte, oder ob er schon älter war, aber sie ist letzterer Annahme ungleich günstiger, denn von einem Anfang wissenschaftlicher Studien kann in so jungen Jahren doch höchst uneigentlich die Rede sein. In Reichenau war ein Verwandter des Heiligen (ob Onkel, ist nicht ausgemacht, er heißt affinis), Namens Erlebaldus, welcher seine Ausbildung übernahm, und bis zur Vollendung der theologischen Studien fortsetzte. In seinem fünfundzwanzigsten Jahre empfing der Heilige das Diakonat, und bald darauf die Priesterweihe. Bisher war es übrigens unentschieden, ob der hl. Meinrad im Kloster bleiben, oder in die Welt zurückkehren würde. Als aber der Abt Hatto (Hetto), zugleich Bischof von Basel, seine Würde niederlegte, um sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, und mit Genehmigung Ludwigs d. Fr. Erlebaldus durch die einmüthige Wahl der Mönche (electus ab omnibus) ihm nachfolgte, legte der hl. Meinrad die Gelübde ab. Unter allen Mönchen zeichnete er sich durch seine Strenge im Gehorsam, durch seinen Eifer im Gebete, und durch stetes Fortschreiten in allen klösterlichen Tugenden aus, so daß ihm Erlebaldus eine am Züricher See (Lacus Turicinus)199 gelegene, zum Kloster gehörige Zelle, mit welcher eine Schule verbunden war, anvertrauen konnte. Wo diese Zelle zu suchen sei, ist sehr zweifelhaft; die meisten meinen, es sei Balingen, Oberbating, Bolling gemeint. Doch blieb der hl. Meinrad hier nur sehr kurze Zeit (aliquantulum temporis). Es drängte ihn nach einem vollkommeneren Leben. Er nahm also einige Gleichgesinnte mit sich und überschiffte den Züricher See, um die Einöde zu besuchen, »die vom Ufer bei Chama anhebt und bis zu den Penninischen Alpen reicht«. In Altendorf, am Fuße des Etzel, kehrte er bei einer frommen Wittwe ein, die ihm auf seine Bitte versprach, um der Liebe Gottes willen die nothwendigsten Lebensbedürfnisse in die Einsamkeit auf den Etzel zu schicken. Nun widmete er in seiner Zelle noch einige Zeit der Erforschung des göttlichen Willens, und wählte die Einsiedelei zu seinem Aufenthalte, wo er unermüdet mit Fasten und Beten dem Schöpfer diente. Besagte Wittwe und einige andere fromme Leute versahen ihn mit den nothwendigen Lebensmitteln. Daß er jenen Schritt nicht ohne Erlaubniß seines Abtes gethan habe, läßt sich voraussetzen. Sieben Jahre brachte er hier zu, und setzte durch sein strenges Leben die umliegenden Ortschaften in Erstaunen. Um aber dem Andrang der Leute auszuweichen, zog er sich in die wilde Hochebene zurück, auf welcher das heutige Einsiedeln liegt, und gründete dort eine seinem Wunsche entsprechende Niederlassung. Am meisten war ihm hiebei eine »gewisse Abtissin«, Namens Heilwiga von Zürich, behilflich. Sie gab ihm ein Muttergottesbild mit, welches das nämliche seyn soll, das auf dem Gnadenaltare in Maria Einsiedeln heute noch verehrt wird. Hier im Finsterwald, bei den Quellen der wildbrausenden Sihl blieb der hl. Meinrad die übrige Zeit seines Lebens, sich durch die ausgedehntesten Fasten abtödtend und ohne Unterlaß, soweit die menschliche Schwachheit es zuließ, dem Gebete obliegend. Er hatte sich eine geräumige Clause mit einer Capelle erbaut, wohin bald eine Art Wallfahrt entstand. Von den Gaben, die ihm durch fromme Hände zuflossen, theilte er das Meiste wieder an die Armen aus. Es geht aus der ganzen Legende vom hl. Meinrad hervor, daß die Gegend um den Züricher See bereits stark bevölkert und bis auf die Höhe des Etzels, wo jetzt zum Andenken an den Heiligen eine Capelle steht, mit Dörfern bedeckt war. Nur Einsiedeln selbst lag, wie noch heute, ganz in der Wüste. Eines Tags hatte der Heilige hier, der Legende zufolge, eine schwere Versuchung. Es entstand eine große Dunkelheit, verbunden mit einem schrecklichen Ungewitter, Angst und äußerste Seelennoth überfiel ihn, viele Teufel stürmten wieder ihn an; er vermochte kaum mehr zu beten und die Hände zu erheben um das Kreuz zu machen, bis es endlich im Osten wieder Licht wurde, worauf ihn eine eben so große Klarheit umgab, als vorher die Dunkelheit gewesen war, und ihm ein Engel Gottes erschien, der ihn tröstete und erquickte. Bald darauf würdigte ihn der Herr für ihn zu sterben. Zur selben Stunde, als der Heilige bald nach Mitternacht sich zum Gebete erhob, fragten zu »Endigen am See« zwei verdächtige Männer um den Weg nach Finsterwald. Als sie zur Zelle des hl. Meinrad hineingingen, singen die Hennen im Hofe zu schreien an, als ob sie von einem Fuchs verfolgt würden. Der Heilige sah sie ohne Furcht, obschon er, wie die Räuber aus seinen Reden wohl entnehmen konnten, ihre Absicht kannte. Er gab ihnen seine Tunica mit der Cuculle und setzte ihnen Brod und Wein vor. Dann bat er sie, ihn einige Augenblicke beten zu lassen, bei seiner Leiche zwei Kerzen anzuzünden und sich schnell fortzumachen, da sie sonst in Gefahr kommen könnten, von den Leuten, die ihn zu besuchen pflegten, aufgegriffen zu werden. Während darauf der eine der zwei Mörder ihn festhielt, schlug der Andere mit einer Keule auf ihn los, bis er halbtodt auf den Boden sank, worauf sie seine Kehle so lange zudrückten, bis er erstickt war. Dann vollzogen sie seine Anordnung und zündeten an dem Lichte, das beständig in der Capelle (vor dem Allerheiligsten oder dem Muttergottesbilde) brannte, zwei Kerzen an und ergriffen die Flucht. Während süßer Wohlgeruch den ganzen Wald erfüllte, verfolgten zwei Raben, die der Heilige genährt hatte, die Mörder, beständig krächzend und auf sie niederstürzend, bis in ein Dorf bei Zürich, Wollrau genannt, wo sie in einem Wirthshause Schutz suchten. Aber die beiden Raben zerbrachen die Fenster und ließen den Mördern auch hier keine Ruhe. Schon hiedurch kamen die Mörder in großen Verdacht, der zur Gewißheit wurde, als die Nachricht von der Ermordung des hl. Einsiedlers eintraf, worauf man sie unverweilt festnahm und zu Rad und Feuer verurtheilte. Ihre Namen sind: Petrus, aus Alemannien, und Richard, ein Rhätier. Damals war Graf Adalbert Richter in Zürich. Bald hernach holte der Abt Walther (Valther) von Reichenau mit seinem Convente die Leiche des hl. Meinrad ab, um sie in seinem Kloster beizusetzen. Die Eingeweide ließen sie auf dem Etzel zurück. Im J. 1039 unter Papst Benedict IX. erfolgte die Heiligsprechung des Martyrers. Da die alten Chroniken einstimmig bemerken, es sei dieß 178 Jahre nach seinem Tode geschehen, so ist kein Zweifel, daß dieser im J. 861 erfolgte, nicht erst (vgl. die ältern Boll.), nach der in Einsiedeln angeblich herrschenden Meinung im J. 863, aber auch nicht früher (einige Angaben setzen d.J. 856), wie jetzt allgemein angenommen ist, da kürzlich im J. 1861 das tausendjährige Jubiläum begangen wurde. Doch kehrt von Mülinen (Helvetia sacra, I. 78) zu der Meinung der ältern Boll., der Tod des hl. Meinrad sei im J. 863 erfolgt, zurück. Seit dem J. 1039 befindet sich ein Theil seiner Reliquien in Constanz, die meisten sind im Stifte Einsiedeln, wo Bischof Eberhard von Constanz die Einweihung vollzog. Die Diöcese Constanz beging sein Fest am 23. Jan. Auf Abbildungen sieht man den Heiligen als Benedictiner-Abt und Martyrer, die zwei Raben an seiner Seite. Ueber das Stift Maria Einsiedeln (S. Meginradi Cella, Heremus Deiparae Matris, Heremus B. V. Mariae, Notre-Dame des Eremites, la Madonna di Waldo) geben wir (nach Mülinen a. a. O.) noch folgende Notizen. Im J. 906 wurde durch den hl. Benno, aus königlich-burgundischem Geblüte (Domherrn zu Straßburg und seit 927 Bischof zu Metz in Lothringen, † 3. Aug. 940), das Gotteshaus erweitert und mit dem hl. Eberhard, ersten Abt, im J. 934 der eigentliche Klosterbau begonnen. Dasselbe brannte viermal ab, nämlich 1029,1226,1465 und 1577, ward aber jedesmal wieder und besonders seit 1704 prachtvoll aufgebaut. Das Stift ward schon 996 (?) durch Kaiser Otto III. und dann neuerdings 1274 durch König Rudolf I. gefürstet, stand erst unter der Schirmvogtei der Grafen von Rapperschwyl, hierauf der Herzoge von Oesterreich und seit 1434 des Standes Schwyz, ist seit alten Zeiten mit der Stadt Zürich verburgrechtet, seit 1602 die zweite Abtei im Rang der schweizerischen Benedictiner-Congregation und seit Aufhebung des Stiftes St. Gallen 1805 der Hauptsitz derselben. Es zählte vor der Reformation lauter Adelige in seinem Convente. (Dieser Umstand gereichte demselben mehr zum Verderben als zum Segen.) Bei der Revolution im J. 1798 bestand der Convent aus 70 Patres und 23 Fratres, setzt zählt er 73 Patres und 13 Fratres. Mehrere Capitularen leiten die treffliche Klosterschule in Einsiedeln und einige Andere sind in die neue Filiale St. Meinrad nach Nord-America gezogen. Maria Einsiedeln ist der besuchteste Wallfahrtsort in der Schweiz200 (durchschnittlich im Jahre 180,000 Pilger). (II. 382–385).



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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