Quintinus, S. (5)

Quintinus, S. (5)

5S. Quintinus (Quinctinus) M. (31. al. 25. Oct., 3., 12. Jan., 2. Mai, 24. Juni und 13. Juli). Dieser Heilige hat der Stadt St. Quentin in der Landschaft Vermandois, früher Augusta Vermanduorum, den Namen gegeben und wird zu Amiens als Patron und Apostel verehrt. Seine Verehrung ist weithin verbreitet; zahlreiche Kirchen in den Bisthümern Noyon, Amiens, Laon, Rheims, Cambrai, Rouen, Soissons etc. sind ihm geweiht. An den meisten dieser Orte hat sich im Volke die Ueberlieferung fortgepflanzt, der Heilige habe sich daselbst aufgehalten. In der Hauptkirche zu St. Quentin ruhen auch seine Reliquien, die der hl. Eligius1 um d. J. 641 zum ersten Mal feierlich erhoben hat. Die Legende erzählt, daß dieser Bischof mehrere große Nägel, die sich im Haupte des heil. Martyrers vorfanden, zu sich genommen habe. Als er aber demselben auch einige Zähne ausbrechen ließ, sei Blut geflossen. Schon i. J. 342, wird beigesetzt, habe eine römische Matrone Namens Eusebia den hl. Leib nach Amiens bringen wollen, was durch göttliche Fügung vereitelt wurde. Alles dieß, so wie seine römische Herkunft und sein Martyrium unter dem Präfecten Rictiovarus, welcher ihn zu Amiens, damals Sanarobriva genannt, in einem daselbst noch als Gefängniß des Heiligen angesehenen Hause5 gefangen setzen ließ, worauf er ihn sogleich furchtbaren Qualen unterwarf, die an dem Orte seines Todes erneuert wurden, ist durch die beständige Tradition der dortigen Gegend beglaubiget. Er soll grausam mit der Folterschraube in die Höhe gezogen, mit eisernen Krallen zerfleischt, mit siedendem Oel, Pech und Fett übergossen, mit Fackeln gebrannt (vgl. Galloni, de ss. M.M. cruciatibus, S. 79) und nach seiner Hinrichtung in die Somme geworfen worden sein. Diese Peinen sind nicht im geringsten unglaublich, denn sie sind nicht bloß durch schriftliche Zeugnisse bestätiget, sondern es läßt sich auch leicht begreifen, daß ein grausamer Heide, der von christlicher Glaubenspflicht nichts verstand und die Standhaftigkeit der Martyrer für bloßen Eigensinn hielt, denselben auf jede Weise zu brechen suchte. Die Leidensstätte unsers Heiligen wird wohl zu St. Quentin gesucht werden müssen. Daß der heil. Lucianus5 von Beauvais von Einigen als sein Begleiter genannt wird, ist (Bd. III. S. 892) schon erwähnt. Außerdem werden ihm als Genossen gegeben: Crepinus, Crepinianus, Rufinus, Marcellus, Eugenius, Victoricus, Fuscianus, Riolus und Piatus. Sein Tod wird ins J. 287 oder 302 gesetzt. Außer der schon genannten Uebertragung haben noch andere, z. B. nach Laon, stattgefunden. Daher kommt es, daß sein Name auch am 2. Mai (I. 168.) und 13. Juli (III. 474.) genannt ist. Die hl. Aldegundis1 ließ die Pfarrkirche von Maubeuge ihm zu Ehren erbauen und einweihen, (Jan. II. 1049) und wird bei dieser Gelegenheit wahrscheinlich auch einige Reliquien des hl. Martyrers dahin gebracht haben. Er wird gegen die Wassersucht angerufen. Auf Abbildungen sieht man ihn (Hack, S. 292) mit Ketten an Händen und Füßen, einen Bratspieß mit welchem er durchstochen worden wäre, in der Hand.6 Auf dem Siegel des Capitels von St. Quentin vom J. 1278 sitzt er auf einem Stuhl, mit vier Nägeln angenagelt. Dasselbe Bild findet sich auf einem Basrelief in der alten Kirche zu Mergnies. (Wessely, Iconographie, S. 349.) Außerdem findet er sich als Ritter oder als Diakon, aber stets von den Werkzeugen seines Martyriums umgeben. Die Eingangs genannten Orte glauben fast ohne Ausnahme, Reliquien des hl. Martyrers zu besitzen. Sein Fest war in der Art privilegirt, daß es erlaubt war, an demselben Fleischspeisen zu genießen, obwohl es auf den Vorabend von Allerheiligen fällt. Zahlreiche Opfergaben und Wallfahrtszüge flossen, besonders zur Zeit der Kreuzzüge, am Grabe des Heiligen zusammen. Das Fest seiner Auffindung durch den hl. Eligius i. J. 641 wird am 3. Jan. begangen. Wegen der zahlreichen Lichter, welche an diesem Tage ihm zu Ehren angezündet wurden, nennt ihn das Volk den Tag der »Beleuchtung« (l'allumerie). Am 12. Jan. beging man ehedem den Tag seiner Beerdigung; am 2. Mai das Andenken an die Erhebung d. J. 1228; am 23. Juni die erste Auffindung der hhl. Reliquien i. J. 358; am 25. Oct. eine Translation v. J. 835; am 31. Okt. sein Leiden. Im J. 1845 hat Papst Gregor XVI. den Bürgern von St. Quentin einen am 31. Oct. und 2. Mai jeden Jahres zu gewinnenden Ablaß verliehen. Eine Zeit lang wurde sein Fest am 15. November begangen. Die zu Amiens zu seiner Ehre bestandene Kapelle ist abgebrochen. Zu St. Quentin wurde i. J. 1793 ein großer Theil der Reliquien von den damaligen Culturkämpfern auf offenem Platze verbrannt; einige derselben wurden gerettet, i. J. 1807 geprüft und ächt befunden.



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