Wilbirgis, V.

Wilbirgis, V.

V. Wilbirgis (Wilburgis) V. (11. Dec.). Die Clausnerin Wilbirgis oder Wilburgis (El.) war die Tochter eines gewissen Heinrich, eines der bestbemittelten und angesehensten aus den Eigenleuten des Klosters St. Florian in Oberösterreich. Sie wurde in dem damaligen Dorfe, jetzigen Markte d. N. um das J. 1230 geboren. Der Name ihrer Mutter ist nicht bekannt. Ihre Erzieherin war eine fromme Frau, Namens Adelheid. Zweimal war Wilbirgis verlobt, aber beide Bräutigame starben noch, ehe die Eheschließung stattfinden konnte. Jetzt machte sie das Gelübde beständiger Reinigkeit und schor sich das Haupthaar ab. Unterdessen war ihr Vater auf einer Pilgerfahrt ins heil. Land gestorben. Als ihm die Mutter ins Grab nachfolgte, war sie gänzlich verarmt, so daß sie außer ihrem Trauringe an ihre Tochter nichts vererben konnte. Wilbirgis, von aller irdischen Habe entblößt, verschenkte noch überdieß, was sie durch die Arbeit ihrer Hände erwarb. Dennoch fehlte ihr nie was zur Nothdurft des Lebens gehört. Eine gleichgesinnte Jungfrau, Namens Mathilde, die gern wallfahrtete, und bereits nach Rom und Marburg gepilgert war, machte ihr den Vorschlag, eine Pilgerfahrt nach St. Jago di Compostella mitzumachen, welche sie wirklich antrat, und mit unbeschreiblichen Mühen unter dem Schutze der hl. Jungfrau auch glücklich vollendete. Nun führte Wil birgis ihr Vorhaben, sich in eine Clause einschließen zu lassen, aus; die Einschließung erfolgte am 29. Mai des J. 1248 durch den Propst von St. Florian im Beisein des ganzen Convents und einer zahlreichen Volksmenge. Von jetzt an führte sie ein Leben des Gebetes, der Betrachtung, der Buße und der Abtödtung. Sie hatte nicht einmal eine Schlafstätte, sondern lehnte sich, wenn sie ruhen wollte, an die Wand; auf ihrem Leibe trug sie ein sehr hartes Cilicium; alle Freitage des Jahres, in der Fastenzeit wenigstens dreimal in der Woche, und an den Vigilien der Marienfeste und der Apostel genoß sie nur Wasser und Brod; niemals aß sie Fleisch, selten gekochte Speisen; sie trug weder Schuhe, noch warme Kleidung, noch bediente sie sich im Winter der Glut oder des Feuers zur Erwärmung ihrer erstarrten Glieder. Während der Kriegsunruhen des J. 1276 befand sich die fromme Clausnerin zu Ens in Sicherheit, kehrte aber nach Beilegung derselben wieder nach St. Florian zurück. Sie starb im Rufe einer Heiligen am 11. Dec. des J. 1289. Ihre Leiche wurde auf den Schultern der Priester zur Stätte ihrer letzten Ruhe getragen, und vor dem Altare der hl. Cunigunde zur Erde gesenkt. Gegenwärtig ruhen ihre Gebeine in einem Sarge von Stein unter dem Chore nächst der Gruft des hl. Florian.24



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